Falsche Behauptung auf der verlinkten Seite (Prophezeiungen)

Johannes @, Freitag, 08.03.2019, 21:24 (vor 13 Tagen) @ zitrone

3.916,83 Euro netto für Asylbewerberfamilie jeden Monat

Bauunternehmer und Blogger Peter Weber deckt in seinem jüngsten Video einen Leistungsunterschied auf, der darin besteht, dass eine Asylbewerberfamilie, die noch nie in die Sozialkassen eingezahlt hat, angeblich 3.916,83 Euro erhält. Er sagt, dass er nicht weiß, wie man das einem Normalverdiener erklären soll. Er kann es nicht.

Er sagt in seinem Video, dies sei zzgl. Miete - das ist falsch.

Ich hatte das zwar in meinem alten Forum schon einmal vorgerechnet, aber wer es immer noch nicht glaubt, der kann sich z.B. an hand dieses Rechners selbst überzeugen:

http://ingo-webdesign.de/1ngo/ALG2.php

Zur Detaileingabe: 1. Feld (Regelbedarf 424) bleibt so stehen, wenn es um 2019 geht. Dann laßt die Mietkosten bei Null, keine Mehrbedarfe, kein Einkommen. Feld für Partner ankreuzen und 7 Kinder auswählen - das ergibt dann den Grundbedarf zzgl. Wohnkosten.

Wenn man von ganz jungen Kindern ausgeht (3 unter 6 Jahren, 1 mit 6 Jahren, 3 von 7 bis 13 Jahren), dann kommt man auf einen Gesamtbedarf (inkl. Kindergeld, zzgl. Wohnung) von 2.707 Euro.

Geht man von älteren Kindern aus (z.B. 3 von 7 bis 13 Jahren, 1 Kind 17, 3 Kinder zwischen 18 und 25), dann ergibt das einen Gesamtbedarf (inkl. Kindergeld, zzgl. Wohnung) von 3.009 Euro.

Die Familie hat also beim Jobcenter einen Bedarf zwischen 2.700 und 3.000 Euro (zu Beginn des Aufenthalts wären es 10% weniger), hinzu kommt die Miete.

Gegenprobe:
Heiligenhafen hat Mietenstufe 3 (wie z.B. Trier), bei 9 Pesonen geht man von bis zu 135 m2 als angemessene Wohnfläche aus, dann sind 1.000 bis 1.200 Euro Miete (inkl. Nebenkosten und Heizung !) durchaus realistisch.

Daraus folgt: Die Familie hat nicht in den 3.900 Euro zur Verfügung, sondern 2.700 bis 3.000 Euro zzgl. Miete. Und soviel Recherche hätte der Bauunternehmer eigentlich auch treiben können, bevor er in seinem Blog fest behauptet, dies sei zzgl. Miete.

Ich bin nun wirklich kein Freund von Masseneinwanderung, aber man sollte schon bei den realistischen Zahlen bleiben.

Mal eine andere Rechnung, da der Bauunternehmer im Blog das Einkommen einer Flüchtlingsfamilie ohne Arbeit mit dem einer arbeitenden deutschen Familie vergleicht. Bzw. fragt, wie er das jemandem erklären soll.

Durchschnittseinkommen (Vollzeit) 2017 = 3.770 brutto, das sind etwa 2.700 netto. Die Rechnung wird hier schwieriger, da ich für das weitere zwischen Kaltmiete mit Nebenkosten sowie Heizung unterscheiden muß. Außerdem gehe ich davon aus, daß alle Kinder noch kein Einkommen erhalten, aber kindergeldberechtigt sind.

Ich gehe jetzt einmal davon aus, daß sich die arbeitende Familie eine etwas bessere Wohnung leistet und 1.200 Euro plus 150 Heizung zahlt. Das ergibt dann

2.700 Euro Nettoeinkommen
1.488 Euro Kindergeld
670 Euro Kinderzuschlag
488 Euro Wohngeld

Der Familie steht also netto 5.346 Euro zur Verfügung bzw. abzgl. Miete (hier 1.350 Euro) noch 4.046 Euro. Also 1.000 bis 1.300 Euro mehr als der nicht arbeitenden Flüchtlingsfamilie.

Ob das fair ist, ob es mehr oder weniger sein müßte, darum geht es mir nicht. Aber das sind die realitischen Zahlen, wenn man den Vergleich anstellen will.

Und da es gern vergessen wird: Kindergeld gibt es nicht zusätzlich zu ALG 2 ("Hartz 4"), sondern wird voll damit verrechnet. Die Flüchtlingsfamilie hat das Kindergeld, sofern sie es schon erhält, also nicht zusätzlich zu den oben genannten gut 3.900 Euro zur Verfügung.

Gruß

Johannes


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